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Everything-as-a-Service – Werden wir bald nichts mehr besitzen?

17. Januar 2023 | Tech

Neue Technologien und ihr Einsatz im Geschäfts- und Alltagsleben haben sich rasant entwickelt und gehören heute zu einem festen Bestandteil des Alltags. Das Web 2.0 ist gekommen, das Web 3.0 steht mit einem Bein bereits in der Tür und wir befinden uns mitten in der digitalen Transformation. Vieles ist digital, und alles ist dabei, ein „Service“ zu werden. Everything-as-a-Service (manchmal auch Anything-as-a-Service genannt), bezeichnet einen Ansatz, bei dem „alles“ als Service zur Verfügung gestellt werden kann oder könnte.

Doch was bedeutet es, wenn wir von Service reden?

In diesem Artikel werden die Begriffe Service und Dienstleistung synonym verwendet. Ein Service ist kein Produkt, kann aber eine zeitweise Bereitstellung eines Produktes beinhalten. Im Zusammenhang mit Unternehmen und Wirtschaft ist ein Service eine Transaktion, bei der keine physischen Güter ausgetauscht werden – also immateriell. Der Verbraucher erhält vom Anbieter nichts Greifbares oder etwas, das ihm gehört. Darin unterscheiden sich Dienstleistungen von Waren (Produkten), bei denen es sich um greifbare Gegenstände handelt, die im Rahmen eines Tauschvorgangs vom Hersteller an den Verbraucher weitergegeben werden, der dann Eigentümer der Ware wird.

Was ist eigentlich ein „Service“?

Einen Service kann man durch folgende Charakteristika beschreiben:

Intangibilität und Heterogenität:

Man kann individuelle Dienstleistungen nicht anfassen. Sie sind physisch nicht greifbar.

Uno-Actu-Prinzip:

Produktion und Konsum fallen zeitlich zusammen. Die Dienstleistung ist daher in der Regel nicht konservierbar.

Prozesscharakter:

Dienstleistungen übersetzen ein Service-Potential in ein Service-Ergebnis.

Gebundenheit:

Dienstleistungen sind zumeist an einen Anbieter gebunden. Der Wechsel des Anbieters kann zu Leistungsunterschieden führen und ist oftmals mit einem Aufwand behaftet.

Die drei digitalen Pioniere in der „as-a-Service-Welt“

IaaS – Infrastructure-as-a-Service

Infrastructure-as-a-Service ist ein Konzept, bei dem Anbieter (z.B. Amazon, Microsoft und Google) große Räumlichkeiten mit Hardware und Infrastruktur bereitstellen. Sie vermieten den virtualisierten Zugang zu diesen Ressourcen im Rahmen von Abonnementmodellen. Dies kann die Flexibilität von Start-ups und kleineren Unternehmen, die nicht über das Kapital für den Kauf ihrer physischen Ressourcen verfügen, erhöhen. Dieses Angebot wird oftmals auch mit dem Mieten eines Hauses verglichen.

PaaS – Platform-as-a-Service

Platform-as-a-Service ist die mittlere Schicht im Cloud Stack und baut auf der IaaS-Schicht auf und fügt dieser Plattformen auf Softwarebasis hinzu. PaaS verbirgt die Komplexität des Umgangs mit Betriebssystemen, Middlewares und Laufzeiten und ermöglicht es Entwicklern und Betreibern, sich auf die Unterstützung der Anwendung zu konzentrieren.

Darüber hinaus kann PaaS auf verschiedenen Arten von Hardware betrieben werden. Klassisches Beispiel für PaaS sind die Anbieter von Cloud-Umgebungen.

SaaS – Software-as-a-Service

Software-as-a-Service bezieht sich auf Anwendungen, die vollständig vom Anbieter verwaltet werden. Das bedeutet, dass Unternehmen Softwarelizenzen erwerben und unmittelbar mit der Arbeit beginnen können, ohne dass Entwicklung, Verwaltung der Infrastruktur oder Installation erforderlich sind.

SaaS wird unter den Software-Anbietern immer beliebter. Die Lizenzierung von Software scheint immer mehr die Norm zu werden. Der Kauf wird zunehmend zur Ausnahme.

Pizza as a Service 2

Wie sehen die Dienstleistungen aus, die um eine Pizza angeboten werden können?

via Subreddit „ProgrammerHumor“

Der Aufstieg der Abo-Modelle

Mehrere Faktoren treiben den Aufschwung voran, darunter insbesondere die Fortschritte in der technischen Infrastruktur. Am wichtigsten ist vielleicht, dass das Abonnementmodell Anreize für beide Seiten schafft, indem es Bequemlichkeit und Erschwinglichkeit für Kunden und Stabilität für Unternehmen bietet.

Viele Unternehmen, die Dienstleistungen anbieten, haben begonnen, Abonnementmodelle einzuführen, wobei der angebotene Wert nicht im Eigentum, sondern im Zugang besteht. So können Autofahrer beispielsweise ein Auto im Abonnement für gelegentliche Fahrten mieten, anstatt es zu kaufen. Fitnessmarken, wie bspw. Peloton, haben damit begonnen, das Wohnzimmer ihrer Kunden, samt virtuellem Coaching in ein Fitnessstudio zu verwandeln.

Bevor es das Internet gab, nutzten die Menschen Abonnements für beispielsweise Zeitungen und Zeitschriften. Die Einführung und Umsetzung neuer abonnementbasierter Geschäftsmodelle war für Unternehmen jedoch schwierig. Jahrzehntelang bestand die größte Herausforderung für das Geschäftsmodell des Abonnements darin, die Zahlungen einzuziehen. Die Unternehmen verfügten nicht über eine ausreichende Infrastruktur, um wiederkehrende Zahlungen von Tausenden oder gar Millionen von Kunden einzuziehen. Im Rahmen neuer einfacher Online-Transaktionen mit Daueraufträgen ist dieses Problem wesentlich kleiner geworden.

Es gibt einen Unterschied zwischen digitalen und analogen „as-a-Service“-Modellen – insbesondere bezüglich der Nachhaltigkeit

Services, die über ein Abo-Modell vertrieben werden, haben, bei physischen Produkten einen Nachhaltigkeitsvorteil. Das liegt daran, dass die sogenannte Sharing Economy weniger Ressourcen verbraucht, da die Produkte oder Objekte, wie der Name schon sagt, unter vielen geteilt werden können.

In der digitalen Welt fällt dieser Nachhaltigkeitsvorteil in vielen Bereichen jedoch flach. Man kann sogar behaupten, dass es hierbei oftmals einen Nachhaltigkeitsnachteil gibt (Ausnahme PaaS). Filme oder Lieder, die jedes Mal aus dem Internet gestreamt werden müssen, um angeschaut oder angehört zu werden, benötigen ständig neue Bandbreite. Dies bedeutet gleichzeitig, dass hierfür jedes Mal ein wesentlicher Energiebedarf benötigt wird. Dies ist in diesem Ausmaß nicht der Fall, wenn die Datei bereits als Download auf der eigenen Festplatte zur Verfügung steht.

Den Vorteilen der physischen „as-a-Service“-Modelle in Bezug auf Nachhaltigkeit stehen häufig die Nachteile der digitalen Lösungen entgegen

Laut einer Studie des kanadischen Unternehmens für Anwendungs- und Netzwerkintelligenz „Sandvine“ verbrauchen alleine Netflix und YouTube zusammen ca. 25% der Internetbandbreite für Apps (YouTube 14,67%, Netflix 9,93%). Dies liegt an dem enormen Verbrauch an Bandbreite, welcher durch Videostreaming erzeugt wird.

Generelle allgemein aufgeführte Vor- und Nachteile kurz zusammengefasst

Nachteile kurz gefasst:

  • Man besitzt nichts und ist somit auch abhängig von den Praktiken der Anbieter
  • Zu viele Abonnements können zu Abonnementmüdigkeit führen und man verliert leicht denn Überblick über die Zahlungsausgänge
  • Das Verleihen oder spätere Verkaufen von Produkten ist nicht mehr möglich (bspw. Videospiele)
  • Kann dazu führen, dass man am Ende mehr bezahlt, wenn man vormals Produkte lange Zeit und nachhaltig genutzt hat

Vorteile kurz gefasst:

  • Platzersparnis, wenn man keine eigenen Stellplätze oder digital gesehen, Infrastrukturen bereitstellen muss
  • Fehlentscheidungen können durch Kündigung des Services schneller behoben werden und sind langfristig nicht schwerwiegend
  • Zumeist All-inclusive Service Paket. Keine Folgekosten aufgrund von Verschleiß, Abnutzung oder Kompatibilität zu erwarten
  • Kann günstiger für diejenigen sein, die einen möglichst großen Funktionsumfang und immer die State-of-the-Art-Funktionen haben möchten

Fazit

Da immer mehr Unternehmen erkennen, dass ein Abonnementmodell wiederkehrende Einnahmen bringt, ist der zusätzliche Nebeneffekt für diese, dass sie durch die Analyse des Kundenverhaltens nachvollziehen können, wie die Kunden einen Dienst im Laufe der Zeit nutzen. Das ist ein weiteres überzeugendes Argument für Unternehmen, auf den Zug der Abonnementmodelle aufzuspringen.

Viele Verbraucher regen sich über den sich immer weiter verbreitenden Abozwang, insbesondere bei Software, auf. Dennoch scheint der Erfolg von Spotify, Netflix und Co. den Anbietern recht zu geben. Letztlich können Konsumenten mit dem eigenen Geldbeutel wählen, ob sie Dienste mieten wollen oder sich nach Alternativen umschauen. Natürlich aber auch nur solange es Alternativen auf dem Markt gibt. Potenzielle Konkurrenten hätte in vielen Bereichen hier auf jeden Fall einen Hebel gegen „as-a-Service-Modelle“.

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