PYNGU MAGAZIN

Est. 11111100101

PYNGU MAGAZIN

Est. 11111100101

In den letzten Jahren galt die Cloud für viele als alternativlos. Wer im IT-Betrieb keine Dienste von Amazon Web Services, Microsoft Azure oder Google Cloud nutzte, wurde als rückständig betrachtet. „Cloud First” war keine Strategie, sondern ein Dogma. Doch inzwischen zeichnet sich eine Gegenbewegung ab, die Fachleute „Cloud Repatriation” nennen. Einige Unternehmen verlagern mittlerweile Anwendungen, Daten und Workloads aus der Public Cloud zurück in eigene Rechenzentren, Colocation-Standorte oder private Cloud-Umgebungen.

Der Begriff „Cloud Exit” mag nach Kapitulation klingen, ist aber meist eine Kurskorrektur. Kaum ein Unternehmen schafft die Cloud komplett ab. Es geht vielmehr darum, selektiv zu prüfen, welche Workloads in der fremden Cloud sinnvoll laufen und welche besser im eigenen Keller aufgehoben sind. Was treibt diese Entwicklung an?

1

Wer selbst hostet, nimmt sein Schicksal in die eigenen Hände

Die Kostenfalle

Der wichtigste Treiber für den Wechsel aus der Cloud sind nachweislich die Betriebskosten. Was bei kleinen Workloads günstig wirkt, skaliert bei hoher Auslastung oft unangenehm hoch: Cloud-Provider erhöhen die Preise, der Datentransfer („Egress Fees”) kostet extra und wer abrechnungsrobust sein will, muss sich mit komplexen reservierten Instanzen, Speicherklassen und Rabattmodellen auseinandersetzen.

Ein Paradebeispiel ist das US-amerikanische Softwarehaus 37signals, Betreiber von Basecamp und HEY: Nach 15 Jahren in der Cloud kündigte das Unternehmen im Jahr 2022 den Austritt an. Im ersten Jahr der Rückverlagerung fielen bereits rund eine Million Dollar Ersparnis an. Nachdem ein Serverpark von Dell für rund 600.000 US-Dollar beschafft worden war, sanken die monatlichen Ausgaben für die Cloud um rund 60 Prozent, von etwa 180.000 auf unter 80.000 US-Dollar. Mittlerweile beziffert das Unternehmen die Gesamtersparnis auf über zehn Millionen US-Dollar in fünf Jahren. Auch Dropbox wagte früh den Schritt: Bereits 2016 verlagerte das Unternehmen große Teile seiner Infrastruktur von AWS in eigene Rechenzentren.

Wichtig ist die Einschränkung, dass diese Einsparungen nicht automatisch entstehen. Sie setzen voraus, dass Hardware angeschafft, ein Rechenzentrumsbetrieb (Strom, Kühlung, Wartung) gesichert und Personal für den Betrieb vorgehalten wird, ein Punkt, den Kritiker der 37signals-Rechnung zu Recht betonen. Ein „Cloud Exit” ist also kein Selbstläufer, sondern eine Investition mit Amortisationsrechnung.

Souveränität, Datenschutz und Sicherheitslage

Kosten sind nicht das einzige Argument. Australische IT-Verantwortliche begründen die Rückverlagerung etwa zunehmend mit der Vorhersagbarkeit und Kontrolle über die eigenen Daten dem Wunsch nach „Data Sovereignty“, also nach tatsächlicher Hoheit darüber, wer auf Daten zugreifen kann und nach welchem Recht sie stehen.

Der sicherheitspolitische Kontext verschärft diese Entwicklung. Laut dem „Global Threat Report 2026” von CrowdStrike ist die Cloud-Infrastruktur zunehmend zum bevorzugten Einstiegspunkt für Angreifer geworden. Auch staatlich unterstützte Akteure nehmen Cloud-Umgebungen verstärkt ins Visier und Attacken verbreiten sich heute innerhalb von Minuten quer durchs Netz. Dadurch steigt für Unternehmen aus kritischen Branchen wie dem Gesundheitswesen, dem Finanzsektor oder der Verteidigungsindustrie der Anreiz, sensible Systeme und Daten wieder in einer kontrollierten eigenen Umgebung zu betreiben.

2

Die Vernetzung über das Internet macht Cloud-Infrastrukturen angreifbar

Der Widerstand gegen die gigantischen Rechenzentren

Ein oft übersehener Faktor beim Cloud Exit liegt außerhalb der Firmenzentralen: öffentlicher Widerstand. Die Hyperscaler bauen für die KI-Revolution massiv neue Rechenzentren, doch in den USA haben inzwischen über 300 Kommunen Bauverbote oder Moratorien für neue Hyperscale-Facilities verhängt, sodass Projekte im Wert von rund 64 Milliarden US-Dollar stocken. Laut einer Umfrage vom Juli 2026 begrüßen nur 14 Prozent der Amerikaner ein Rechenzentrum in ihrer Nachbarschaft. New York prüfte sogar eine landesweite Bauaussetzung.

Diese Entwicklung trifft den Cloud-Markt direkt: Steigende Energiekosten, lange Genehmigungsprozesse und wachsende öffentliche Skepsis beeinflussen die Verfügbarkeit und Preisgestaltung negativ. Die vermeintlich grenzenlose Skalierbarkeit der Public Cloud könnte dadurch beeinträchtigt werden. Dies spricht wiederum für lokale oder hybride Alternativen.

Die Webseite „heisseluft.org“ gibt einen Überblick auf das ungebremste Wachstum der Rechenzentren in Deutschland und seine Folgen und zeigt auf einer interaktiven Karte wo neue Rechenzentren in der Planung sind oder bereits gebaut werden.

Fazit

Für viele Unternehmen heißt die Antwort nicht schwarz oder weiß, sondern häufig Hybrid. Wer einen Exit plant, sollte drei Kostenblöcke nicht unterschätzen: die Kosten für den Parallelbetrieb während der Migration, die Ausstiegsgebühren für Datenexporte sowie Vertragsfallen wie Kündigungsfristen und Mindestumsätze. Ein sauberer Exit-Plan ist Teil einer jeden modernen Cloud-Strategie, nicht ihr Gegenteil.

Der Cloud-Exit ist kein Rückschritt, sondern eine Marktbereinigung. Die Cloud ist und bleibt für viele Anwendungsfälle die richtige Wahl. Das Dogma „Cloud First” ist jedoch tot. Heute ist eine bewusste Entscheidung gefragt: zu jedem Workload, zu jedem Zeitpunkt. Wer seine Server wieder selbst betreibt, hat daraus gelernt.

—

Pyngu Digital

Pyngu Digital icon lang

Diese Webseite benutzt keine Cookies.

Mit der weiteren Nutzung der Webseite stimmen Sie zu, dass Sie damit einverstanden sind nicht getrackt zu werden. Sie stimmen außerdem zu, dass Ihre Daten nicht an Dritte weitergegeben werden. Wir verarbeiten keine personenbezogenen Daten auf der Webseite zur Wahrung unseres berechtigten Interesses, den Datenschutz unserer Besucher zu respektieren.

Folgende Kategorien von Cookies werden von uns eingesetzt:

– Keine

– Nada

– Niente

Weitere Informationen finden Sie in unserer Pyngu-Cookie-Policy.