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Nachhaltiges digitales Design

19. August 2022 | Design

Nachhaltiges Design ist nicht nur ein kurzfristiger Trend. Es zielt darauf ab, negative Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren. Die grundlegenden Ziele der Nachhaltigkeit sind die Minderung des Verbrauchs nicht erneuerbarer Ressourcen, die Minimierung von Abfällen und die Schaffung gesunder, produktiver Umgebungen.

Auch in digitalen Umgebungen spielt nachhaltiges Design eine immer größere Rolle.

Dieser Artikel stellt vier Perspektiven von nachhaltigem Design vor.

Schlankes Webdesign

Das Internet ist aufgrund seines enormen Energiebedarfs ein großer Umweltverschmutzer. Durch die Nutzung des Internets werden genauso viele Treibhausgase freigesetzt wie durch den gesamten weltweiten Flugverkehr, und diese Zahl wird weiter stark steigen. Größte Verbraucher sind Videoportale (YouTube, Netflix etc.). Es gibt jedoch auch Wege, die Umweltbelastungen des Internets zu verringern. Dies kann im Kleinen durch schlankes Webdesign anfangen.

Schlankes Webdesign

Schlanke und optimierte Webseiten verbrauchen weniger Energie

Bei der Erstellung einer möglichst nachhaltigen Webseite müssen ein paar Dinge beachtet werden. Je größer die Seite ist, desto mehr Energie benötigen sie zum Laden, was wiederum zu höheren Emissionen führt. Bilder sollten komprimiert und Medien generell nur dann eingesetzt werden, wenn diese einen echten Zweck erfüllen.

Das Einsetzen von Plugins oder sonstige Verbindungen zu Dritten sollte ebenfalls vermieden werden. Analytics-Software kann auch dafür sorgen, dass die Seite langsam lädt uns insgesamt schwerer ist.

Reparierbarkeit

Die Reparierbarkeit ist für nachhaltiges Design essentiell. Das gilt nicht nur in der analogen Welt. Wenn die Nutzer in der Lage sind ihre Devices selbst, unkompliziert und kostengünstig bei Bedarf zu reparieren, werden sie ihre Geräte auch länger nutzen. Vorbilder sind im Bereich Smartphone der niederländische Anbieter Fairphone und im Bereich Notebooks das amerikanische Start-Up-Unternehmen Framework mit seinen modularen Computern.

Insbesondere Apple ist dafür bekannt, seine Geräte durch proprietäre Schrauben sowie verklebten Akkus und Displays nahezu zu verriegeln. Dass ein Besitzer eines elektronischen Geräts, den Akku nicht selber wechseln kann/soll ist weder im Interesse der Nachhaltigkeit noch im Interesse des Kunden.

Reparierbarkeit

Viele elektronische Geräte können von den Verbrauchern ohne Weiteres nicht mehr selbst repariert werden

Die Right-to-Repair-Bewegung stellt in erster Linie drei Forderungen:

Gutes Design:

Produkte sollten nicht nur leistungsfähig sein, sondern auch lange halten und bei Bedarf repariert werden können. Für eine Reparierfreundlichkeit, brauchen die Nutzer Konstruktionsverfahren, die eine einfache Demontage ermöglichen.

Gerechter Zugang:

Reparaturen sollten erschwinglich und allgemein zugänglich sein. Das bedeutet, dass die Reparatur eines Produkts nicht teurer sein sollte als der Kauf eines neuen Produkts. Rechtliche Hindernisse sollten Einzelpersonen, unabhängige Reparateure und kommunale Reparaturgruppen nicht daran hindern, defekte Produkte zu reparieren. Jeder soll während der gesamten Lebensdauer eines Produkts Zugang zu Ersatzteilen und Reparaturanleitungen haben.

Informierte Verbraucher:

Die Bürger wollen wissen, ob ihre Produkte für eine Reparatur geeignet sind oder ob sie weggeworfen werden müssen, wenn sie kaputtgehen. Informationen über die Reparierbarkeit von Produkten sollten sowohl den Bürgern als auch den Werkstätten beim Kauf zur Verfügung gestellt werden.

Langer Softwaresupport

Langer Softwaresupport bedeutet in vielen Fällen auch langer Hardwaresupport. Was bringt einem das beste Smartphone, wenn es bereits nach drei Jahren keine Updates mehr erhält. Je länger die Nutzer sowohl Sicherheits- als auch Funktionsupdates erhalten, desto länger werden sie auch dazu tendieren, ihre Geräte zu behalten.

Software-Updates bieten aber auch noch weitere Vorteile. Dazu gehören die Behebung bekannter Sicherheitslücken und die Korrektur oder Beseitigung von Bugs.

Das neue ASUS Zenphone 9 erhält zum Beispiel nur zwei Jahre garantierte Software-Updates und das, obwohl es sich hierbei um ein sogenanntes Flagship-Smartphone mit dem neuesten Snapdragon 8+ Gen 1 Chip handelt. Das iPhone 6s, dass im Jahr im September 2015 auf den Markt kam, läuft derzeit noch auf dem aktuellen Betriebssystem iOS 15. iOS 16 wird ab Herbst dann nicht mehr unterstützt, aber sieben Jahre an Funktions- und Sicherheitsupdates sind, was Smartphones angeht, derzeit konkurrenzlos.

Langer Softwaresupport

Je länger Geräte Updates erhalten, desto länger sind sie voll funktionsfähig

Insbesondere Smartphones, die Milliarden von Menschen tagtäglich nutzen, sollten langlebig produziert werden. Der Bedarf an Mikroprozessoren und Lithium-Ionen-Batterien ziehen einen riesigen Ressourcenverschleiß nach sich, der für die Erde in diesem Ausmaß wohl nicht mehr allzu lange verkraftbar ist.

Offene Standards

Nachhaltiges Design geht auch mit offenen Standards einher. Die Internationale Organisation für Normung (ISO), definiert offene Standards als eine Maßnahme, die Anforderungen, Spezifikationen, Richtlinien oder Merkmale enthält, die einheitlich verwendet werden können, um sicherzustellen, dass Materialien, Produkte, Prozesse und Dienstleistungen für ihren Zweck geeignet sind.

Im Bereich Open Source werden oftmals fünf Kriterien genannt, die offene Standards erfüllen müssen:

  • Verfügbarkeit
  • Selbstbestimmung und kein Vendor-Lock-In
  • Keine Lizenzgebühren
  • Offen für Erweiterungen
  • Lizenzbedingungen, die vor einer Unterwanderung des Standards schützen

Durch offene Standards gewinnen in erster Linie die Verbraucher. Ein aktuelles Beispiel sind der Entschluss der EU den Anschluss USB-C zum verpflichtenden Standard-Anschluss für die meisten Konsumentengeräte zu machen. Dies sorgt dafür, dass weniger Ladegeräte und Kabel benötigt werden und verringert somit auf lange Sicht E-Waste.

Offene Standards

Für die meisten Geräte wird die USB-C-Ladebuchse ab 2024 in der EU verbindlich

Fazit

Nachhaltigkeit ist ein Zukunftsthema, dem wir uns in allen Bereichen des Lebens stellen müssen. Mit nachhaltigem Design kann der erste Schritt gemacht werden. Gutes nachhaltiges Design motiviert Verbraucher ihr Konsumverhalten zu überdenken und hilft langfristig wichtige Ressourcen zu schonen.

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